Freitag, 14. Juli 2017

(Gast-)Rezension*: "Winzig - Innovative Häuser im Mini-Format" von Sandra Leitte

Daten zum Buch:
erschienen am: 29. August 2016
Verlag: DVA
ISBN: 9783421040237
224 Seiten
Preis: 29,95 € (HC)
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Zum Inhalt:
Es gibt viele gute Gründe dafür, unsere Wohn fläche gering zu halten. Für die einen ist der ökologische Gedanke ausschlaggebend. Andere reduzieren ihren Wohnraum bewusst auf das Wesentliche. Für manche ist das kleine Haus schlicht eine finanzielle Notwendigkeit. Viele schätzen aber auch die Möglichkeit, ihr Zuhause an einen anderen Standort transportieren zu können. Futuristische Blockhütte im Wald, Feriendomizil in Dreiecksform oder vollständiges Wohnhaus im Miniformat: Dieses Buch präsentiert rund 40 fantasievolle, witzige und inspirierende Projekte aus den USA, Europa und Asien. Ein Buch zum Blättern, Staunen, Anregungen sammeln!
(Klappentext)

Meine Meinung:
Wer aktuell eine Wohnung oder ein Haus sucht, wird es bestätigen können: Einfach ist es momentan nicht, ein schönes Heim zu finden, zumindest wenn die Finanzmittel begrenzt sind. Viele leihen sich angesichts der niedrigen Zinsen das Geld von der Bank, um ihr Traumhaus bauen zu können.

Allerdings gibt es auch einen interessanten Gegentrend von Leuten, die das als Anlass nehmen, nochmal kritisch zu hinterfragen, ob sie tatsächlich 150 qm, Doppelgarage, Swimmingpool und eine Bibliothek (ja auch das, liebe Bibliomane!) benötigen, um glücklich zu sein. Und viele scheinen festzustellen, dass der bewusste Verzicht - oder aus ihrer Sicht eher die Konzentration auf das wirklich Wichtige - sehr befreiend ist und durchaus auch ein Mehr an Lebensqualität bedeuten kann. Die Architektin Sandra Leitte hat diesen Trend beobachtet und in ihrem Buch "Winzig - Innovative Häuser im Mini-Format" 38 sehr unterschiedliche Entwürfe gesammelt.

Das Format des Buches ist mit etwa 17x17cm insbesondere für ein Architekturbuch mit vielen Bildern relativ klein, der Anteil an Text ist eher gering. Die Objekte sind nach steigender Wohnfläche sortiert, und es sind von 4 qm für eine Schutzhütte in den Alpen bis 95 qm für ein modernes Wohnhaus alle Bedürfnisse abgedeckt. Zu jedem Haus gibt es eine Angabe, in welchem Land, teilweise auch in welcher Stadt es steht, und es sind auch nahezu alle Kontinente vertreten. Der Großteil der Häuser steht aber in Europa.

Der Begleittext füllt etwa eine halbe Seite und gibt einige Informationen über die Architekten, die Bewohner und welche Nutzung beabsichtigt ist. So sind einige Unterkünfte eher als Notlager für Wanderer oder zur Naturbeobachtung gedacht, andere wurden als extravagante Hotelzimmer konzipiert. Die meisten wurden aber exakt nach den Wünschen ihrer Bewohner entworfen, ihnen quasi auf den Leib geschnitten. Anschließend folgen drei bis fünf Seiten mit Bildern. Zu jedem Haus gibt es außerdem mindestens eine Zeichnung, meist der Grundriss aller Stockwerke, teilweise auch Seitenansichten, so dass sich der Leser zusammen mit den Fotos ein relativ gutes Bild von dem Objekt machen kann. Weitere Informationen, etwa zu den verwendeten Materialien, der Haustechnik oder dem Energiebedarf sind nur teilweise im Text angesprochen, dafür gibt es im Anhang aber noch Links zu den Webseiten der Architekten.

Die Bilder sind, wie man es von einem Architekturbuch erwartet, durchgehend von sehr hoher Qualität und vermitteln einen sehr guten Eindruck von den Objekten. Allerdings ist auch festzustellen, dass die positive Präsentation im Vordergrund steht. Bei genauerer Beschäftigung mit einigen Unterkünften kommen schon Fragen auf, ob z. B. der Schlafbereich ausreichend Platz bietet, oder ob wirklich ein vollwertiges Bad dabei ist. Das Modell "hOMe" z.B. beeindruckt durch eine vollwertige Küche auf 29 qm mit einem fünfflammigen Gasherd und einer mannshohen Kühl-Gefrierkombi. Vom Bad dagegen kann man nur einen kleinen Blick erhaschen. Über die Website der Erbauer kommt man auf ein Video, in dem diese durch das ganze Haus führen und stellt fest, dass das Badezimmer zwar mit allem ausgestattet ist, aber dann wohl doch nicht so ganz im Fokus lag. Da lassen sich Schranktüren nicht ganz öffnen, am Waschbecken ist kaum Bewegungsraum, und auch die Dusche ist recht niedrig und eng. Aber gut, "sich auf das Nötigste zu konzentrieren" bedeutet natürlich für jeden etwas anderes, und auch die Geschmäcker sind verschieden.

Die Auswahl der Objekte ist auf jeden Fall sehr interessant, da jedes durch seinen speziellen Charakter einen neuen Blickwinkel erlaubt. Es gibt noch weitere klassische Tiny Houses, also Häuser, die wie "hOMe" auf einem Anhänger stehen und so auch bewegt werden können. Teilweise handelt es sich eher um Baumhäuser im weiteren Sinne, und auch drei schwimmende Unterkünfte sind dabei. Häufige, aber nicht immer wiederkehrende Elemente sind dabei die Wiederverwendung von gebrauchten Materialien und die Nähe zur Natur. Gegen Ende des Buches, mit steigender Quadratmeterzahl, ist das Attribut "Winzig" allerdings nicht mehr so ganz angebracht, etwa bei einem Sommerhaus mit 90 qm, oder einer regelrechten Villa für eine Person mit 95 qm. Dennoch bringt jedes Kapitel einen neuen interessanten Aspekt, der Mut macht, unkonventionell zu denken und eigene Ideen beim Bau des eigenen Hauses umzusetzen.

Insgesamt hat mich das Buch in dem Eindruck bestärkt, dass ich persönlich nicht in einem konventionellen Reihenhaus oder Wohnblock wohnen möchte. Auch fand ich es interessant, was für ansprechende Lösungen teilweise mit sehr einfachen Mitteln realisiert werden können. Ich persönlich hätte mir allerdings noch mehr Informationen zu den einzelnen Objekten gewünscht, aber eigentlich kommt man auch mit den Links im Anhang schnell weiter. Auch fand ich, dass sich viele der Objekte für meinen Geschmack zu wenig in die Umgebung einpassen, was man wiederum sicher auch anders sehen kann. Anfänglich hat mich außerdem sehr gestört, dass die finanziellen Rahmenbedingungen gar nicht betrachtet werden. Da sind auf der einen Seite idealistische und gesellschaftskritische Ansätze wie das Silohaus, das mit kleinem Budget weitgehend aus Schrott gebaut wurde. Auf der anderen Seite sind da dann fertige Designerwohncontainer, die über 500.000 Euro kosten und als Wochenendzuflucht für gestresste Millionäre beworben werden. Kann man das wirklich beides gut finden? Ich finde, das Buch polarisiert durchaus durch die Gegenüberstellung so unterschiedlicher Konzepte. Allerdings erlaubt es gerade durch die neutrale und relativ oberflächliche Darstellung, dass sich der Leser unvoreingenommen mit allen Objekten beschäftigen und eben genau das mitnehmen kann, was ihm wichtig ist. Letztendlich profitiert der Leser doch durch das aufgebaute Spannungsfeld, so dass das Buch eigentlich genau so wie es ist perfekt ist. Jeder, der sich für kleines Bauen interessiert, sollte es lesen.

5 von 5 Schreiberpaletten

(c) Simo Kauth 

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar! 
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*Hier gibt es zum zweiten Mal eine Gastrezension meines Freundes. Er hat schonmal vor einiger Zeit ein anderes Buch zum Thema "Bauen & Wohnen" bewertet. Die Rezi findet ihr hier.

1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Das klingt nach einem sehr interessanten Buch! Häuser im Miniaturformat gucke ich mir immer gerne an, zum Beispiel auf Youtube. :-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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