Sonntag, 10. September 2017

Rezension: "Die Wurzel alles Guten" von Miika Nousiainen

Daten zum Buch:
erschienen am: 21. August 2017
Verlag: Nagel & Kimche
ISBN: 9783312010387
255 Seiten
Preis: 20,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Pekka Kirnuvaara lebt in Helsinki, ist geschieden, sieht seine beiden Kinder jedes zweite Wochenende und arbeitet als Werbetexter. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, seine Mutter ist alles andere als gut auf diesen zu sprechen, das Thema war schon immer ein großes Tabu zuhause.

Als er eines Tages auf dem Behandlungsstuhl des Zahnartes Esko Kirnuvaara landet, fällt ihm eine frappierende Ähnlichkeit zwischen ihm und Esko auf. Auch der Nachname kann doch kein Zufall sein, oder? Tatsächlich stellt sich heraus, dass Esko seinen Vater ebenfalls nicht kennt. Aber der biedere, introvertierte Zahnarzt hat im Gegensatz zu Pekka keinerlei Interesse, diesen Umstand zu ändern.

Letztendlich kann Pekka Esko doch noch überreden, nach dem gemeinsamen Vater zu suchen. Und ihre Reise führt sie nicht nur durch die ganze Welt, sondern hält auch so einige Überraschungen für das ungleiche Brüderpaar bereit.

Meine Meinung:
Die Geschichte wird abwechselnd aus Pekkas und Eskos Sicht erzählt, wobei Pekka deutlich mehr erzählt, während Eskos Passagen eher kurz waren. Ich fand das passend, denn es spiegelt die unterschiedlichen Charaktere der beiden wider.

Pekka war mir von Anfang an sympathisch. Er ist ein liebevoller Sohn und Vater und steht allem offen gegenüber, geht auf Menschen zu. Amüsant ist seine Angst vor dem Zahnarzt, die letztendlich dazu führt, dass er sich bei Esko einer aufwändigen Behandlung unterziehen muss.

Mit Esko hingegen musste ich erstmal warm werden. Er hat schon fast etwas Autistisches an sich, es wird jedoch im Laufe der Geschichte klar, wieso er so ist, und er macht eine enorme Wandlung durch. Seine Erzählungen werden dann auch immer länger, was ich als gelungenes Stilmittel empfand.

Pekka und Esko sind beide auf ihre eigene Art sehr amüsant und liebenswert. Während Pekka eher mit Selbstironie glänzt, fällt Esko durch seine Schrulligkeit auf. Er ist ganz extrem auf seinen Beruf als Zahnarzt fixiert, und so gibt es in diesem Buch unzählige Metaphern, die sich um die Zahnpflege drehen. Diese sind teils skurril und haben mich sehr zum Lachen gebracht. Einige sind aber auch sehr weise. Mir hat das sehr gut gefallen.

Im Laufe der Geschichte treffen die Brüder auf weitere Personen, die auch alle sympathisch und auf ihre Weise einzigartig sind. Mehr möchte ich aber über diese Figuren nicht verraten.

Der Schreibstil ist lebendig, und ich bin wirklich durch das Buch geflogen. Nousiainen hat einen feinen Humor, den ich sehr mochte. Dennoch kommen auch ernste Themen zum Tragen. Allen voran die Frage nach den eigenen Wurzeln, die Suche nach dem Vater und letztendlich nach der eigenen Geschichte. Es ist für die Brüder ein Selbstfindungstrip, der nicht nur Angenehmes zu Tage fördert. Nousiainen schafft den Spagat zwischen Tragik und Komik meisterhaft. Neben den persönlichen Problemen der Protagonisten kommen auch ernste gesellschaftliche Probleme zur Sprache wie das finnische Gesundheitssystem, der Rechtspopulismus in Skandinavien oder die Entmündigung der Aborigines. Und natürlich alle Aspekte der Zahnhygiene!

Auch die Eigenheiten der Finnen werden hier mit einem Augenzwinkern liebevoll skizziert. Ich musste hier öfter schmunzeln. Ich war schon mehrere Male in Finnland, und mir kam doch einiges bekannt vor, das ich während meiner Urlaube mit Staunen oder Kopfschütteln wahrnahm. Selbst unter Skandinaviern gelten die Finnen als skurriles Völkchen. Aber genau das macht die Finnen auch so liebenswert.

Mich hat "Die Wurzel alles Guten" sehr gut unterhalten, und ich habe Esko und Pekka sehr gerne auf ihrer Suche nach dem Vater und sich selbst begleitet. Für mich ist dieses Buch ein kleines Highlight, und ich kann es jedem wärmstens empfehlen.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an LovelyBooks für dieses Rezensionsexemplar!

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