Sonntag, 22. Oktober 2017

Rezension: "Prager Fragmente - Essays" von Roman Achmatow

Daten zum Buch:
erschienen am: August 2017
Verlag: Selbstverlag
ISBN: ---
92 Seiten
Preis: 10,00 € (TB)
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Zum Inhalt:
Als der Leipziger Student Roman Achmatow letztes Jahr für ein Semester nach Prag ging, verarbeitete er seine Erlebnisse und Beobachtungen in Wort und Bild, welche er in den sozialen Medien veröffentlichte. Eine ausgewählte, überarbeitete Sammlung sowie noch unveröffentlichte Texte sind hier in seinem Autorendebüt versammelt.

Meine Meinung:
In seinem Debüt "Prager Fragmente" nimmt Roman Achmatow den Leser in zwölf Kurzgeschichten mit auf seinen Spaziergängen durch die tschechische Hauptstadt. Man fährt mit ihm Metro, beobachtet eine Demonstration des tschechischen Pegida-Pendants, besucht ein buntes Straßenfest. Der Autor nimmt hierbei die Stelle des stillen Beobachters ein. Jedes Kapitel wird mit einem Zitat und einer seiner Fotografien, echten Momentaufnahmen aus Prag, eingeleitet.

Bereits auf seiner Homepage fiel mir Achmatows intelligenter Humor auf, was mit ein Grund war, weshalb ich das Buch gerne lesen wollte, obwohl Essays per se nicht so ganz zu meinen Vorlieben gehören. Der zweite Grund war, dass ich erst letztes Jahr selbst das erste Mal in Prag war und die Stadt sehr schön fand. Gerne wollte ich noch einmal zumindest literarisch dorthin zurückkehren. Und Reiseberichte mag ich sowieso sehr gerne. 

Der Autor macht sich viele Gedanken über seine Beobachtungen und Erfahrungen. Mit manchen Geschichten konnte ich mehr, mit manchen weniger anfangen. Stellenweise wurde es mir zu pseudo-philosophisch und -poetisch. Manche Sätze wirkten zu gewollt, so als ob der Autor krampfhaft zeigen wollte, was er sprachlich alles drauf hat.

Und tatsächlich hat er auch viel drauf, aber hier hätte es gerne weniger sein dürfen. Und so fand ich das Lesen teilweise etwas anstrengend, bin über so manch langatmigen Satz gestolpert. Dennoch muss ich sagen: Hut ab, der Junge kann schreiben! Manche Passagen könnte ich mir auch gut auf einer Poetry Slam-Bühne vorstellen. Es hat mich halt leider inhaltlich wenig angesprochen.

Die Geschichten haben für meinen Geschmack zu wenig mit Prag zu tun. Zwar hatte ich von Vornherein keinen Reiseführer erwartet - das verspricht Achmatow auch mit keiner Silbe. Aber für mich hätten die Essays auch mit jeder anderen Stadt funktioniert, mir war der Bezug zur tschechischen Hauptstadt zu wenig. Über das Studium dort erfährt man leider auch so gut wie nichts, was ich ebenfalls schade fand.

"Prager Fragmente" ist kurzweilig und kann ein echtes Lesevergnügen bereiten, wenn man sich auf die "Wortjonglagen" des Autors einlässt. Mir ist dies leider nur bedingt gelungen, und auch der Bezug zur Stadt war mir zu wenig. Generell gefällt mir jedoch Achmatows Beobachtungsgabe und Lust am Schreiben, und ich hoffe, dass man in Zukunft mehr von ihm lesen wird.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Roman Achmatow für dieses Rezensionsexemplar!

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