Montag, 13. November 2017

Rezension: "Das Glück an Regentagen" von Marissa Stapley

Daten zum Buch:
erschienen am: 7. November 2017
Verlag: rowohlt Polaris
ISBN: 9783499291708
301 Seiten
Preis: 14,99 € (SC)
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Zum Inhalt:
Kurz vor der Hochzeit wird Mae von ihrem Verlobten sitzengelassen, zusammen mit einem Haufen Schulden, denn Peter hat in ihrem Namen hohe Gelder veruntreut und sich ins Ausland abgesetzt. Pleite, ohne Mann und ohne Wohnung kehrt sie an den einzigen Ort zurück, an dem sich noch willkommen fühlt: Alexandria Bay. Hier ist sie bei ihren Großeltern aufgewachsen, die immer für sie da waren, auch und besonders nach dem tragischen Tod ihrer Eltern.

Doch die Rückkehr ist auch mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden, denn hier hat ihr ihre große Liebe Gabe einst das Herz gebrochen und sie verzweifelt zurückgelassen. Außerdem haben sich ihre Großeltern während ihrer Abwesenheit verändert. Großmutter Lilly scheint sich immer mehr selbst zu vergessen, Großvater George ist aus dem Haus geflüchtet. Und dann taucht auch noch der frisch geschiedene Gabe wieder in Alexandria Bay auf. Alte Wunden werden aufgerissen und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Tageslicht.

Meine Meinung:
Die Kapitel sind aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben. Die vier Hauptfiguren sind Mae, Gabe, Lilly und George. Es gibt etliche Rückblicke, z. B. in Maes Kindheit, als ihre Eltern noch gelebt haben, aber auch in die Jugendzeit ihrer Großeltern während des zweiten Weltkrieges. Das macht die Geschichte manchmal etwas unruhig, da ständig zwischen Orten, Personenkonstellationen und Zeiten gewechselt wird. Das fordert dem Leser einiges an Konzentration ab, und man setzt nach und nach selbst das Puzzle rund um Mae und ihre Familie zusammen.

Die Figuren werden detailliert gezeichnet, und durch die unterschiedlichen Sichtweisen ergibt sich nach und nach von jedem ein Gesamtbild. Ich persönlich fand Gabe und George sympathischer als Lilly und Mae. Lilly tat mir zwar einerseits leid, da sie immer dementer wurde und der Verlust ihrer Tochter sie gezeichnet hat, aber sie trägt so viele Geheimnisse mit sich herum und hat dadurch so viel Leid angerichtet, dass ich sie nicht mögen konnte. Obwohl Mae der gemeinsame Nenner und die bemitleidenswerte, da betrogene Hauptfigur ist, blieb sie irgendwie farblos und konnte mich nicht abholen. Wieso sie Peter, den sie augenscheinlich noch nichtmal liebte, heiraten und mit ihm eine Familie gründen wollte, weiß der Geier. Sie ist eher der "Kopf in den Sand"-Typ und lässt alles auf sich zukommen.

Überhaupt ist es das, was die Figuren am Besten können: Dinge in sich hineinfressen und vor Konfrontationen davonlaufen. Hier wird viel Geheimniskrämerei betrieben. Jeder trägt etwas mit sich herum, teilweise -zig Jahre lang. Und man lernt nichts daraus, denn es werden auch weiterhin neue Erkenntnisse verschwiegen. Ja, die Wahrheit kann oft weh tun, aber wie hier alle umeinander herumeiern und sich wirklich wichtige Dinge verschweigen, die ausgesprochen auch einiges an Irrungen, Wirrungen und Leid erspart hätten, ist nur schwer erträglich.

Jedes Kapitel wird mit einem Punkt aus der Liste von Maes Mutter Virginia, was man an einem Regentag machen kann, eingeleitet. Dies ist zwar eine charmante Idee, wird aber in der Geschichte nicht weiter aufgegriffen, trägt also nichts weiter zur Handlung bei. Man kann sie letztlich für sich selbst als nette Anregung für Regentage nutzen, wobei einige Tipps ganz speziell auf Alexandria Bay und Umgebung gemünzt sind.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen. Generell hat die Geschichte jedoch eine Schwermut, die sich durch das ganze Buch zieht und mich beim Lesen nie so richtig losgelassen hat. Tatsächlich ist an ein, zwei Stellen ein Tränchen über die Wange gerollt, aber ansonsten blieb ich von den Charakteren und der Geschichte eher unberührt.

Der Epilog war mir persönlich dann zu süßlich und hätte nicht sein müssen. Mehr kann ich aber nicht verraten, da ich sonst spoilern würde. 

Alles in Allem ist "Das Glück an Regentagen" nicht ganz leicht verdauliche, jedoch kurzweilige Lesekost mit blassen Charakteren, die mich leider nicht abholen konnte. 

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an die Buchboutique und den Rowohlt-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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