Montag, 18. Dezember 2017

Buch-Zitat des Tages

aus: "Viel näher als zu  nah" von Angela Kirchner (S. 180f.)

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Ich zähle die Sekunden, bis Fey sich zu mir herumdreht. Dreizehn.

"Wow", sagt sie. Nichts weiter, nur "Wow", ehe sie zwei Schritte zurückweicht und eine Mauer um sich herum errichtet, die ich niemals werde einreißen können. Ich bin mir wirklich nicht sicher, was hier in den vergangenen zehn Minuten passiert ist, aber es fühlt sich an, als hätten wir irgendwann zwischen "Hi" und "Wow" nicht nur die Regeln, sondern das ganze Spiel gewechselt. Und ich habe es nicht mitbekommen und sitze vor meinen Würfeln wie ein Idiot.

"Ich... ich..." ... weiß nicht, was ich sagen soll.

Fey antwortet nicht und ihr Schweigen drückt mich zusammen.

Verdammter Dreck, wieso muss das ausgerechnet mit ihr alles so kompliziert sein? Das war es doch sonst nicht. Ich hatte bisher nie Probleme mit solchen Situationen - und vor allem nie das Gefühl, dass es in irgendeiner Weise wichtig wäre, wie ich mich verhalte. Es ist immer alles einfach gelaufen, ich konnte sein, wie ich will. Doch wenn Felicitas Lippkes schweigt, bekommt die Welt einen Kratzer, und ich will nicht mehr ich sein.

Ich presse die Lippen aufeinander und lasse den Kopf hängen.

"Fey", murmle ich und packe all die Worte, die in meiner Kehle feststecken, mit in ihren Namen. Aber sie hört keins davon.

"Nein, lass gut sein", erwidert sie. Das Eis in ihrer Stimme vertreibt die letzte Erinnerung an die Wärme ihrer Hände. Inzwischen sind die Kristalle in mir zu scharfen Splittern angewachsen.

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