Mittwoch, 27. September 2017

Buch-Zitat des Tages

aus: GötterFunke - Hasse mich nicht!" von Marah Woolf (S. 26f.)

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Er war hier, hämmerte es in meinem Kopf. Er war hier. Meine Wut wurde von Minute zu Minute größer. Wie konntet er mir das antun? Aber meine Gefühle waren ihm völlig egal, das hatte er bereits im Camp sehr eindrucksvoll bewiesen. Ich war so unfassbar naiv gewesen, dass es schon fast wehtat. Wahrscheinlich hatten die Götter einen morbiden Spaß daran, ihre Opfer leiden zu sehen. Aber nicht mit mir. Ich würde diese Unterrichtsstunde überstehen, auch wenn Cayden viel zu dicht neben mir saß. Immerhin schwieg er. Mein ganzer Körper stand unter Strom. Ich konnte kaum den Stift halten, geschweige denn den Ausführungen von Ms Bley folgen. Das musste ein schlechter Scherz der Götter sein. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Götter waren herrisch und rachsüchtig, das wusste jeder. Ich hatte sie völlig verklärt und ihnen menschliche Attribute wie Mitgefühl angedichtet. Ich war ein Schaf. Ein hoffnungslos romantisches Schaf.

Resigniert ließ ich mein rotes Haar wie einen Vorhang zwischen uns fallen und atmete kurz auf. Er durfte nicht merken, wie nervös seine Anwesenheit mich machte. Das Schweigen zwischen uns wurde ohrenbetäubend. Unruhig rutsche ich auf meinem Stuhl hin und her. Ich musste hier raus. Je eher, desto besser. Bevor ich ihm diese grünen Augen auskratzte, mit denen er mich unablässig musterte. Warum drehten sich ständig irgendwelche Mädchen zu uns um? Diese dummen Kühe. Sahen sie nicht, was er für ein Typ war? Ich sollte eine Rundmail verfassen oder es im Schulfunk durchsagen. Haltet euch von Cayden fern. Er ist ein Arschloch und wird eure Herzen brechen. Etwas in der Art vielleicht. Aber warum sollte ich irgendeine von ihnen warnen? Solche Lektionen gehörten zum Leben dazu. Ich war ihm ja auch auf den Leim gegangen. Wieder durchfuhr mich eine Welle der Wut. Bestimmt war er nur wegen Robyn hier. Das musste es sein. Er wollte sie wiedersehen. Er vermisste sie. Verliebten Götter sich eigentlich auch mal richtig? Wusste sie schon, dass er hier war? Wenn ich mir vorstellte, dass Cayden und Robyn den Rest des Schhuljahres vor meiner Nase herumturtelten, sich küssten und Händchen hielten… Mir wurde speiübel.

Und ich hatte ihm auch noch erlaubt, mich zu küssen, dabei hätte ich mir doch denken können, dass ich nur eine Nummer auf einer Liste war. Ich wischte mir über den Mund. Nie wieder würde ich das zulassen.
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